Finishen

Das Finishen gehört gemäß der DIN 8589 zu den trennenden Fertigungsverfahren mit geometrisch unbestimmter Schneide. Es ist wie das Feinschleifen, Honen, Läppen und Polieren ein Fein- bzw. Präzisionsbearbeitungsverfahren. Im Sprachgebrauch wird das Finishen unter anderem auch als Kurzhubhonen, Superfinishen, Microfinishen oder als Ziehschleifen bezeichnet.

 

Bei der Finishbearbeitung wird ein Werkzeug mit definierter Anpresskraft in Flächenkontakt mit dem Werkstück gebracht und relativ zu diesem bewegt. Die Schnittbewegung setzt sich dabei aus einer Überlagerung unterschiedlich gerichteter Bewegungsanteile zusammen. Beispielsweise führt eine Überlagerung von Werkzeugtranslation Vhub und Werkzeugoszillation Vos zu einer sinusförmigen Bewegungsbahn einer einzelnen Kornschneide. Infolge der großen Anzahl an kinematischen Schneiden im Werkstückkontaktbereich und nach mehrfachem Überlauf des Werkzeugs, entstehen sich kreuzende Bearbeitungsspuren. Der Kreuzungswinkel αK der Schleifriefen ergibt sich dabei aus dem Verhältnis der Geschwindigkeitskomponenten. Diese Kreuzschliffstruktur ist ein charakteristisches Merkmal der Finishbearbeitung. 

Die gefinishte Oberfläche zeigt eine Plateau-Struktur mit sich kreuzenden, definierten Schleifriefen. Darüber hinaus ist eine Verminderung der Formabweichungen zweiter und dritter Ordnung auf der gefinishten Oberfläche erkennbar. Die erreichbare Oberflächenrauheit ist beim Finishen um etwa den Faktor 10 besser als bei geschliffenen oder um etwa den Faktor 100 besser als bei hartgedrehten Oberflächen. Aufgrund des flächenhaften Werkzeugeingriffs wird zudem eine Reduzierung kurzwelliger Formabweichungen erreicht. Der Einsatz sehr feiner Schleifkörnungen ermöglicht einen gezielten Abtrag der Rauheitsspitzen und führt in Verbindung mit den überlagerten Schnittbewegungen zu mikrostrukturierten Oberflächen mit hohem Materialtraganteil. Die Riefentiefe der Oberflächentopographie lässt sich mittels geeigneter Prozessführung beim Finishen definiert einstellen, wodurch eine tragfähige jedoch gleichzeitig offene Struktur mit gutem Ölrückhaltevolumen geschaffen werden kann. Eine verbesserte Benetzung relativbewegter Bauteilflächen mit Schmieröl wirkt Adhäsion und Abrasion entgegen und verringert somit Reibung und Verschleiß im Betrieb.